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Wenn am Abend nicht nur die Augen müde sind
Viele Menschen kennen das.
Der Bildschirm ist scharf.
Die Schrift lässt sich problemlos lesen.
Und trotzdem fühlen sich die Augen am Ende des Arbeitstages müde an. Der Nacken verspannt sich, die Schultern werden schwer und manchmal kommen Kopfschmerzen dazu.
Der erste Gedanke lautet oft:
„Ich brauche wahrscheinlich eine neue Brille.“
Manchmal stimmt das.
Häufig liegt die Ursache jedoch nicht in der Sehstärke, sondern darin, dass die Brille zwar zum Sehen passt – aber nicht zu den Anforderungen des Arbeitsplatzes.
Unsere Augen wurden für Bewegung gemacht
Unsere Augen sind erstaunliche Sinnesorgane. Sie arbeiten jedoch nicht isoliert, sondern im Zusammenspiel mit unserem Gehirn und unserem gesamten Bewegungsapparat.
Über Jahrtausende wechselte unser Blick ständig zwischen Nähe und Ferne. Wir beobachteten unsere Umgebung, führten Gespräche, arbeiteten mit den Händen und blickten immer wieder in die Weite.
Heute verbringen viele Menschen mehrere Stunden täglich in einem sehr begrenzten Entfernungsbereich – meist zwischen 50 Zentimetern und zwei Metern.
Computer.
Laptop.
Tablet.
Smartphone.
Für unsere Augen bedeutet das eine Dauerbelastung, auf die sie ursprünglich nicht ausgelegt waren.
Scharf sehen bedeutet nicht automatisch entspannt sehen
Eine Brille kann optisch vollkommen richtig sein und dennoch nicht optimal zum Arbeitsplatz passen.
Eine Einstärkenbrille besitzt nur eine einzige Stärke. Ist sie für die Ferne bestimmt, müssen die Augen den Bildschirm dauerhaft selbst scharf stellen. Ist sie dagegen auf den Monitor abgestimmt, werden weiter entfernte Objekte schnell unscharf.
Eine Gleitsichtbrille löst dieses Problem im Alltag hervorragend. Sie ermöglicht scharfes Sehen in unterschiedlichen Entfernungen – vom Lesen bis zum Blick in die Ferne.
Am Computer zeigt sich jedoch häufig ein Nachteil.
Der Bereich für die typische Bildschirmdistanz ist bei einer klassischen Gleitsichtbrille vergleichsweise klein. Um diesen optimalen Sehbereich zu nutzen, heben oder senken viele Menschen unbewusst den Kopf.
Nicht weil sie eine schlechte Haltung haben.
Sondern weil ihr Gehirn automatisch den schärfsten Blick sucht.
Unsere Augen beeinflussen unsere Körperhaltung
Unser Gehirn möchte möglichst effizient sehen.
Ist das Bild nicht sofort angenehm erkennbar, verändert der Körper seine Haltung.
Zunächst bewegt sich der Kopf. Dann gleichen Halswirbelsäule, Schultern und Rücken diese Bewegung aus. Aus einer kaum bemerkbaren Kopfhaltung kann so über viele Stunden eine dauerhafte Belastung entstehen.
Deshalb berichten viele Menschen nach einer gut angepassten Computerarbeitsbrille über etwas Überraschendes:
Nicht zuerst über besseres Sehen.
Sondern darüber, dass sie entspannter arbeiten, weniger Verspannungen haben und sich am Abend weniger erschöpft fühlen.
Natürlich können Nacken- oder Rückenschmerzen viele Ursachen haben. Die Brille ist nicht immer der Auslöser – sie kann jedoch ein Baustein sein, der häufig übersehen wird.
Computerarbeitsbrille ist nicht gleich Computerarbeitsbrille
Eigentlich gibt es nicht die Computerarbeitsbrille. Denn kaum zwei Arbeitsplätze sind identisch.
Wer an einem einzelnen Bildschirm arbeitet, stellt andere Anforderungen an seine Brille als jemand, der ständig zwischen mehreren Monitoren wechselt.
Im Großraumbüro wechseln die Blickrichtungen fortlaufend zwischen Bildschirm, Kollegen und Besprechungstisch.
An einer Rezeption, in einer Ordination oder im Verkauf kommt der regelmäßige Blickkontakt mit Menschen hinzu.
Deshalb beginnt eine gute Computerarbeitsbrille nicht mit der Auswahl eines Brillenglases. Sie beginnt mit Fragen.
Wie sieht Dein Arbeitsplatz aus?
Wie groß ist der Abstand zum Monitor?
Arbeitest Du mit mehreren Bildschirmen?
Sitzt oder stehst Du überwiegend?
Wie häufig wechselst Du den Blick zu anderen Menschen?
Erst wenn diese Fragen beantwortet sind, lässt sich eine Brille anpassen, die den Arbeitsalltag wirklich unterstützt.
Und was ist mit Blaulichtfiltern?
Dieses Thema wird nach wie vor kontrovers diskutiert.
Dabei lohnt es sich, zwei Fragen voneinander zu trennen. Die erste lautet:
Schädigt das blaue Licht eines Bildschirms unsere Netzhaut?
Nach heutigem wissenschaftlichem Kenntnisstand gibt es dafür keine überzeugenden Belege. Die Lichtintensität digitaler Bildschirme ist deutlich geringer als die des natürlichen Tageslichts.
Die zweite Frage ist mindestens genauso wichtig.
Blaues Licht ist einer der wichtigsten Taktgeber unserer inneren Uhr. Spezielle lichtempfindliche Zellen in der Netzhaut melden unserem Gehirn, ob Tag oder Nacht ist.
Tagsüber ist das ausdrücklich erwünscht. Natürliches Tageslicht unterstützt unsere Konzentration, fördert die Wachheit und hilft dabei, unseren Tag-Nacht-Rhythmus zu stabilisieren.
Am Abend kann derselbe Mechanismus jedoch zum Nachteil werden. Wer bis kurz vor dem Schlafengehen intensiv auf helle Bildschirme blickt, kann die Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin verzögern und dadurch den Schlaf beeinträchtigen.
Blaulichtfilter oder die Abendmodi moderner Geräte können deshalb – besonders in den Abendstunden – sinnvoll sein.
Unabhängig davon empfinden viele Menschen das Licht mit einem Blaulichtfilter während der Bildschirmarbeit als angenehmer. Ob ein Filter sinnvoll ist, hängt deshalb weniger von einem allgemeinen „Ja“ oder „Nein“ ab, sondern von den persönlichen Sehgewohnheiten und der Tageszeit, zu der digitale Geräte genutzt werden.
Gute Lösungen beginnen mit dem Menschen
Bei einer Computerarbeitsbrille geht es deshalb um weit mehr als die Bestimmung der Sehstärke.
Sie berücksichtigt den Menschen.
Seinen Arbeitsplatz.
Seine Arbeitsweise.
Seine täglichen Sehaufgaben.
Denn erst wenn die Brille zu diesen Anforderungen passt, können Augen, Gehirn und Körper möglichst entspannt zusammenarbeiten.
Was Du aus diesem Artikel mitnehmen kannst
✔ Scharfes Sehen bedeutet nicht automatisch entspanntes Sehen.
✔ Eine klassische Einstärken- oder Gleitsichtbrille ist am Bildschirm häufig ein Kompromiss.
✔ Die Augen beeinflussen unsere Körperhaltung stärker, als vielen Menschen bewusst ist.
✔ Computerarbeitsbrillen werden an den jeweiligen Arbeitsplatz angepasst – nicht umgekehrt.
✔ Mehrere Monitore, Großraumbüros oder regelmäßiger Kundenkontakt stellen unterschiedliche Anforderungen an die Brillengläser.
✔ Blaulichtfilter schützen nach heutigem Wissensstand nicht nachweislich vor Netzhautschäden durch Bildschirmarbeit, können jedoch den Tag-Nacht-Rhythmus und den subjektiven Sehkomfort beeinflussen.
✔ Gute Beratung beginnt nicht beim Brillenglas, sondern beim Menschen.
Mein persönlicher Gedanke
Wir investieren heute viel in ergonomische Arbeitsplätze.
In höhenverstellbare Schreibtische.
In gute Bürostühle.
In große Monitore.
All das ist sinnvoll.
Dabei vergessen wir manchmal das Werkzeug, mit dem wir all diese Dinge überhaupt nutzen.
Unsere Augen.
Sie begleiten jede Bewegung, jede Entscheidung und jeden Blick.
Eine Computerarbeitsbrille soll deshalb nicht einfach nur ein scharfes Bild erzeugen. Sie soll dazu beitragen, dass Augen, Gehirn und Körper möglichst entspannt zusammenarbeiten.
Denn gutes Sehen bedeutet mehr als Sehschärfe. Es bedeutet Lebensqualität – an jedem einzelnen Arbeitstag.

