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Licht – der beste Freund unserer Augen

Warum unsere Makula einen natürlichen Schutz besitzt und weshalb wir Sonnenlicht zum Leben brauchen

Lesedauer: ca. 5 Minuten


Das Wichtigste in Kürze

✔ Ohne Licht könnten wir nicht sehen – und ohne Sonnenlicht wäre Leben auf der Erde nicht möglich.

✔ Natürliches Tageslicht steuert unseren Biorhythmus, beeinflusst zahlreiche Stoffwechselprozesse und ermöglicht die körpereigene Bildung von Vitamin D durch UVB-Strahlung.

✔ Die Makula besitzt mit Lutein, Zeaxanthin und Meso-Zeaxanthin einen natürlichen Lichtfilter, der sie vor einem Teil des energiereichen blauen Lichts schützt.

✔ Nicht die Sonne ist unser Gegner – entscheidend ist ein vernünftiger und natürlicher Umgang mit ihr.


Die Natur macht keine Fehler

Wenn heute über Sonnenlicht gesprochen wird, geht es häufig um Risiken.

UV-Strahlung.

Hautalterung.

Sonnenbrand.

Blaulicht.

Dabei gerät leicht in Vergessenheit, dass wir Menschen uns über Millionen von Jahren unter natürlichem Tageslicht entwickelt haben. Unsere innere Uhr orientiert sich am Wechsel von Hell und Dunkel.

Unsere Haut bildet unter dem Einfluss von UVB-Strahlung Vitamin D. Unsere Augen nutzen das Tageslicht, um Farben, Kontraste und Bewegungen wahrzunehmen.

Und unsere Mitochondrien – die kleinen Kraftwerke unserer Zellen – reagieren auf bestimmte Wellenlängen des Lichts. Die Forschung beschäftigt sich intensiv mit der sogenannten Photobiomodulation, bei der insbesondere rotes und nahinfrarotes Licht Stoffwechselprozesse in den Mitochondrien beeinflussen könnte. Viele Ergebnisse sind vielversprechend.

Ohne Sonnenlicht gäbe es kein Leben.Deshalb lohnt es sich, die Sonne nicht als Feind zu betrachten, sondern als einen natürlichen Bestandteil unserer Gesundheit.


Warum Tageslicht weit mehr ist als Helligkeit

Kennst Du das Gefühl, an einem sonnigen Frühlingsmorgen voller Energie aufzuwachen? Oder dass Dir nach mehreren trüben Winterwochen die Motivation fehlt?

Das ist kein Zufall.

Natürliches Licht beeinflusst zahlreiche biologische Prozesse. Es hilft unserem Gehirn dabei, den Tag-Nacht-Rhythmus zu steuern, unterstützt einen gesunden Schlaf-Wach-Rhythmus und trägt dazu bei, dass sich unser Organismus an den Wechsel der Tageszeiten anpasst.

Gerade morgens ist natürliches Tageslicht besonders wertvoll. Schon wenige Minuten im Freien können helfen, unsere innere Uhr zu synchronisieren.

Vielleicht ist genau deshalb ein Spaziergang am Morgen oft wirksamer als eine weitere Tasse Kaffee.


Die Sonne schenkt uns mehr als Wärme

Einer der faszinierendsten Prozesse unseres Körpers findet direkt in unserer Haut statt. Trifft ausreichend UVB-Strahlung auf die Haut, beginnt sie mit der Bildung von Vitamin D.

Dabei handelt es sich streng genommen nicht um ein klassisches Vitamin, sondern um eine hormonähnliche Substanz, die an einer Vielzahl von Stoffwechselprozessen beteiligt ist.

Vitamin D spielt unter anderem eine wichtige Rolle für den Knochenstoffwechsel, das Immunsystem und die Muskelfunktion. Darüber hinaus wird intensiv erforscht, welchen Einfluss ein guter Vitamin-D-Status auf weitere Bereiche unserer Gesundheit haben könnte.

Damit unser Körper Vitamin D bilden kann, braucht er allerdings Sonnenlicht auf unbedeckter Haut. Ob dies möglich ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab – unter anderem vom Sonnenstand, der Jahreszeit, dem Hauttyp und der geografischen Lage.

Auch deshalb ist regelmäßiger Aufenthalt im Freien so wertvoll.


Warum unsere Augen trotzdem einen natürlichen Lichtfilter besitzen

Wenn Sonnenlicht so wichtig ist – warum besitzt die Makula dann überhaupt einen eigenen Schutz?

Die Antwort ist ebenso einfach wie faszinierend. Die Natur arbeitet nicht mit Gegensätzen. Sie arbeitet mit Balance. Licht ermöglicht uns das Sehen.

Gleichzeitig enthält Sonnenlicht auch energiereiche Anteile, die empfindliche Strukturen langfristig belasten können. Deshalb lagert unser Körper genau dort, wo wir am schärfsten sehen, drei besondere Pflanzenstoffe ein:

Lutein

Zeaxanthin

Meso-Zeaxanthin

Gemeinsam bilden sie das sogenannte Makulapigment. Man kann es sich wie einen natürlichen Lichtfilter vorstellen. Nicht, um Sonnenlicht auszusperren. Sondern um genau die Lichtanteile abzuschwächen, die für die empfindlichen Sinneszellen eine höhere Belastung darstellen können.

Gleichzeitig wirken diese Carotinoide antioxidativ und unterstützen damit die natürlichen Schutzmechanismen der Netzhaut. Die Natur zeigt uns damit etwas sehr Schönes:

Sie bekämpft das Licht nicht. Sie nutzt es – und schützt sich gleichzeitig vor einem Übermaß.


Unsere Ernährung liefert die Bausteine

Lutein und Zeaxanthin kann unser Körper nicht selbst herstellen. Wir müssen sie deshalb regelmäßig mit der Nahrung aufnehmen. Besonders reich daran sind:

Grünkohl

Spinat

Feldsalat

Brokkoli

Mangold

gelbe Paprika

Mais

Auch Eigelb enthält gut verfügbare Mengen dieser Carotinoide.

Da Lutein und Zeaxanthin fettlöslich sind, verbessert etwas hochwertiges Fett – beispielsweise Olivenöl oder einige Nüsse – ihre Aufnahme.

Wie so oft entscheidet nicht eine einzelne Mahlzeit über unsere Gesundheit. Es ist das, was wir über viele Jahre hinweg regelmäßig essen.


Mehr Zeit draußen – auch für Kinder

In den vergangenen Jahren haben zahlreiche Studien gezeigt, dass Kinder, die sich regelmäßig im Freien aufhalten, seltener eine Kurzsichtigkeit entwickeln als Kinder mit wenig Tageslicht.

Die genauen Ursachen werden noch erforscht.

Diskutiert werden unter anderem die hohe Lichtintensität im Freien sowie deren Einfluss auf das Wachstum des Auges. Für mich ist diese Erkenntnis besonders spannend.

Sie zeigt einmal mehr, dass Gesundheit häufig dort beginnt, wo wir uns wieder stärker an den natürlichen Lebensbedingungen des Menschen orientieren.

Mehr Tageslicht.

Mehr Bewegung.

Mehr Zeit draußen.

Manchmal sind die einfachsten Dinge die wirkungsvollsten.


Ein gesunder Umgang mit der Sonne

Ich werde häufig gefragt, ob man die Sonne meiden sollte. Meine Antwort lautet ganz klar:

Nein.

Genauso wenig halte ich es für sinnvoll, sich ungeschützt stundenlang intensiver Sonne auszusetzen. Wie so oft liegt die Wahrheit in der Mitte.

Unser Körper braucht Sonnenlicht. Unsere Haut braucht Sonnenlicht. Unsere innere Uhr braucht Sonnenlicht. Und auch unsere Psyche profitiert davon.

Gleichzeitig ist es sinnvoll, Sonnenbrände zu verhindern und die Augen bei grellem Licht mit einer hochwertigen Sonnenbrille zu schützen.

Nicht aus Angst vor der Sonne. Sondern aus Respekt vor ihrer Kraft. Die Natur schenkt uns vieles. Sie erwartet aber auch, dass wir verantwortungsvoll mit ihr umgehen.


Was ich Dir mitgeben möchte

Vielleicht ist die wichtigste Botschaft dieses Artikels gar nicht, dass Lutein oder Zeaxanthin wichtig sind. Sondern eine andere.

Unser Körper ist unglaublich klug aufgebaut. Er besitzt Schutzmechanismen. Er kann Vitamin D bilden. Er verfügt über einen natürlichen Lichtfilter in der Makula. Er orientiert sich am Tageslicht.

Je besser wir diese Zusammenhänge verstehen, desto leichter fällt es uns, Entscheidungen zu treffen, die im Einklang mit unserer Biologie stehen.

Nicht gegen die Natur. Sondern mit ihr.


Ein Gedanke zum Schluss

Die Sonne ist seit Milliarden von Jahren die Grundlage allen Lebens auf unserer Erde.

Vielleicht sollten wir sie deshalb weder fürchten noch gedankenlos unterschätzen.

Ein vernünftiger Umgang mit Sonnenlicht bedeutet nicht Verzicht. Er bedeutet, die Natur zu verstehen und ihre Kraft bewusst zu nutzen. Vielleicht beginnt Gesundheit genau dort.


Mehr erfahren

Warum heißt die Makula „Gelber Fleck“?

Die gelbliche Färbung der Makula entsteht durch die hohe Konzentration von Lutein, Zeaxanthin und Meso-Zeaxanthin. Diese Carotinoide absorbieren einen Teil des energiereichen blauen Lichts und unterstützen gleichzeitig die antioxidativen Schutzmechanismen der Netzhaut.

Licht und Mitochondrien – ein spannendes Forschungsfeld

Rotes und nahinfrarotes Licht stehen im Mittelpunkt der sogenannten Photobiomodulation. Experimentelle Studien und erste klinische Untersuchungen deuten darauf hin, dass bestimmte Wellenlängen die Energieproduktion der Mitochondrien beeinflussen könnten. Für einige Anwendungsgebiete gibt es bereits vielversprechende Ergebnisse, viele Fragen werden derzeit jedoch noch wissenschaftlich untersucht.


Im nächsten Artikel

Was genau passiert bei einer altersbedingten Makuladegeneration (AMD)? Warum entwickelt sie sich oft über viele Jahre, welche Risikofaktoren können wir beeinflussen und weshalb spielen Ernährung, Bewegung, Omega-3-Fettsäuren und antioxidative Pflanzenstoffe dabei eine so wichtige Rolle?

Darum geht es im nächsten Teil unserer Reihe.

Quellen und weiterführende Literatur

  • Bernstein PS, Li B, Vachali PP et al. Lutein, Zeaxanthin and the Macular Pigment in Eye Health. Progress in Retinal and Eye Research.
  • Bone RA, Landrum JT. Macular Pigment: Physiology and Clinical Significance.
  • Gröber U. Mikronährstoffe – Metabolic Tuning – Prävention – Therapie.
  • Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG).
  • Ham WT et al. Arbeiten zur Lichtexposition und Netzhaut.
  • Karu TI. Photobiomodulation and Mitochondrial Signaling.
  • Hamblin MR. Arbeiten zur Photobiomodulation und rotem/nahinfrarotem Licht.