Warum Ernährung und Lebensstil mehr mit unserer Sehkraft zu tun haben, als viele Menschen vermuten
Lesedauer: ca. 4–5 Minuten
Das Wichtigste in Kürze
✔ Unsere Augen gehören zu den stoffwechselaktivsten Organen unseres Körpers.
✔ Viele Veränderungen entwickeln sich über viele Jahre – lange bevor wir sie bemerken.
✔ Ernährung, Bewegung, Schlaf und Stress beeinflussen nicht nur unsere allgemeine Gesundheit, sondern auch die Gesundheit unserer Augen.
✔ Wir können nicht alles beeinflussen – aber oft deutlich mehr, als wir glauben.
Wann hast Du das letzte Mal an Deine Augen gedacht?
Wahrscheinlich heute Morgen, als Du Deine Brille aufgesetzt hast. Vielleicht beim Lesen einer Nachricht auf dem Smartphone oder beim Autofahren.
Die meisten von uns nehmen gutes Sehen als selbstverständlich wahr. Erst wenn etwas nicht mehr so funktioniert wie gewohnt, richten wir unsere Aufmerksamkeit auf unsere Augen.
Genau deshalb entsteht häufig der Eindruck, Augenerkrankungen würden plötzlich auftreten. Tatsächlich ist das nur selten der Fall.
Viele Veränderungen entwickeln sich über Jahre oder sogar Jahrzehnte. Sie verlaufen meist unbemerkt und werden oft erst dann sichtbar, wenn erste Beschwerden auftreten oder eine Untersuchung Veränderungen zeigt.
Diese Erkenntnis hat mein Verständnis von Augengesundheit grundlegend verändert. Denn sie bedeutet vor allem eines:
Unsere Augen altern nicht unabhängig vom Rest unseres Körpers.
Unsere Augen sind Teil eines faszinierenden Ganzen
Als Augenoptiker beschäftige ich mich täglich mit gutem Sehen.
Doch je intensiver ich mich mit Präventionsmedizin, Ernährung und Mikronährstoffen auseinandergesetzt habe, desto klarer wurde mir, dass wir unsere Augen niemals isoliert betrachten sollten.
Unsere Netzhaut gehört zu den stoffwechselaktivsten Geweben unseres Körpers. Jede Sekunde verarbeitet sie Lichtreize und wandelt sie in elektrische Signale um, die unser Gehirn zu Bildern zusammensetzt.
Für diese enorme Leistung benötigt sie ständig Energie, Sauerstoff und eine Vielzahl unterschiedlicher Nährstoffe. Das bedeutet aber auch:
Alles, was unserem gesamten Organismus guttut, kommt häufig auch unseren Augen zugute.
Und umgekehrt können Belastungen, die unseren Körper über viele Jahre begleiten, auch an den Augen ihre Spuren hinterlassen.
Gesundheit ist kein Zufall
Wenn wir an Gesundheit denken, wünschen wir uns oft eine einfache Antwort.
Die eine Tablette.
Das eine Vitamin.
Die perfekte Ernährung.
Doch unser Körper funktioniert nicht nach diesem Prinzip. Gesundheit entsteht nicht durch eine einzelne Entscheidung. Sie entwickelt sich Tag für Tag aus vielen kleinen Gewohnheiten.
Was wir essen.
Wie wir schlafen.
Ob wir uns bewegen.
Wie wir mit Stress umgehen.
Ob wir rauchen oder regelmäßig Zeit an der frischen Luft verbringen.
Jede dieser Entscheidungen wirkt für sich vielleicht klein. Über viele Jahre betrachtet können sie jedoch einen erstaunlichen Unterschied machen. Nicht nur für unser Herz oder unseren Stoffwechsel.
Sondern auch für unsere Augen.
Was heute die Forschung zeigt
Lange Zeit stand in der Medizin vor allem die Behandlung von Krankheiten im Mittelpunkt. Heute richtet sich der Blick immer stärker auf eine andere Frage:
Wie können wir Gesundheit möglichst lange erhalten?
Dabei rückt ein Forschungsgebiet immer mehr in den Fokus – die Epigenetik.
Sie beschäftigt sich mit der Frage, wie unser Lebensstil biologische Prozesse beeinflussen kann. Unsere Gene liefern zwar den Bauplan unseres Körpers. Sie entscheiden jedoch nicht allein darüber, wie gesund wir altern.
Ernährung, Bewegung, Schlaf, Stress oder Umweltfaktoren können beeinflussen, welche Gene aktiver oder weniger aktiv sind.
Das bedeutet nicht, dass wir jede Erkrankung zu 100{0af23b1f0581c4c79a83e8af9a102801012e4314adad7b145e7760bd1e9054b4} verhindern können. Aber es bedeutet, dass wir unserem Körper jeden Tag Bedingungen schaffen können, unter denen er möglichst gut arbeiten kann.
Ich persönlich empfinde diesen Gedanken als ausgesprochen positiv. Denn er macht uns nicht zu Opfern unserer Gene. Er zeigt vielmehr, dass wir jeden Tag Möglichkeiten haben, unsere Gesundheit aktiv zu unterstützen.
Warum Ernährung dabei eine so wichtige Rolle spielt
Unsere Augen gehören zu den Organen mit dem höchsten Energiebedarf. Wo viel Energie benötigt wird, entstehen auch viele Stoffwechselprozesse. Dabei fallen ganz natürlich sogenannte freie Radikale an.
Sie gehören zu einem gesunden Stoffwechsel dazu und erfüllen wichtige Aufgaben. Erst wenn ihre Menge über längere Zeit zunimmt und die körpereigenen Schutzsysteme nicht mehr ausreichen, kann oxidativer Stress entstehen.
Genau dieser Zusammenhang wird heute intensiv erforscht. Nicht nur im Zusammenhang mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder neurodegenerativen Erkrankungen, sondern auch bei altersbedingten Veränderungen der Augen.
Deshalb gewinnt eine Ernährung mit möglichst natürlichen Lebensmitteln zunehmend an Bedeutung.
Grünes Blattgemüse, buntes Gemüse, Beeren, Nüsse, hochwertige Fette, Hülsenfrüchte und eine gute Versorgung mit essenziellen Fettsäuren liefern dem Körper zahlreiche Stoffe, die er für seine täglichen Aufgaben benötigt.
Dabei geht es nicht um einzelne „Superfoods“ oder Wundermittel. Entscheidend ist immer das Zusammenspiel.
Du musst nicht perfekt leben
Vielleicht ist das sogar die wichtigste Botschaft dieses Artikels.
Niemand ernährt sich jeden Tag perfekt. Niemand bewegt sich immer ausreichend. Und niemand schläft jede Nacht acht Stunden.
Das muss auch gar nicht das Ziel sein. Gesundheit entsteht nicht durch Perfektion. Sie entsteht durch Beständigkeit. Eine gesunde Mahlzeit mehr. Ein Spaziergang. Ein paar Minuten Bewegung. Ein bewusstes Innehalten im hektischen Alltag.
Viele kleine Schritte wirken langfristig oft stärker als eine einzige große Veränderung.
Was ich Dir mit dieser Artikelreihe mitgeben möchte
Vielleicht fragst Du Dich, warum ich mich so intensiv mit Ernährung und Lebensstil beschäftige. Die Antwort ist einfach.
Weil ich überzeugt bin, dass Wissen eine der wichtigsten Voraussetzungen für Gesundheit ist. Wer versteht, wie der eigene Körper funktioniert, kann bessere Entscheidungen treffen.
Nicht aus Angst. Sondern aus Überzeugung.
Deshalb möchte ich Dir in dieser Artikelreihe wissenschaftliche Erkenntnisse verständlich erklären. Ohne Fachsprache. Ohne erhobenen Zeigefinger. Und ohne Wunder zu versprechen.
Prävention bedeutet für mich, dem eigenen Körper jeden Tag die bestmöglichen Voraussetzungen zu geben, gesund zu bleiben.
Ein Gedanke zum Schluss
Wir können unser Geburtsdatum nicht verändern. Aber wir können mitentscheiden, wie wir die Jahre dazwischen gestalten.
Jede Mahlzeit. Jeder Spaziergang. Jede Stunde Schlaf. Jede bewusste Entscheidung ist eine Investition in Deine Gesundheit.
Nicht, weil sie ein langes Leben garantiert. Sondern weil sie die Chance erhöht, dieses Leben möglichst lange mit klarer Sicht, Energie und Lebensfreude zu genießen.
Und genau dort beginnt für mich echte Prävention.
Mehr erfahren
Oxidativer Stress – ein natürlicher Prozess
Unsere Körperzellen produzieren täglich Energie. Dabei entstehen automatisch freie Radikale. In einem gesunden Organismus werden sie durch körpereigene Schutzmechanismen und antioxidative Nährstoffe ausgeglichen.
Erst wenn dieses Gleichgewicht über längere Zeit gestört ist, sprechen Fachleute von oxidativem Stress. Die Netzhaut ist aufgrund ihres hohen Energie- und Sauerstoffverbrauchs besonders empfindlich. Deshalb untersuchen Wissenschaftler weltweit, welchen Einfluss Ernährung, Lebensstil und bestimmte Mikronährstoffe auf ihre langfristige Gesundheit haben.
Prävention ist keine Garantie – aber eine Chance
Ein gesunder Lebensstil kann keine Erkrankung zu 100{0af23b1f0581c4c79a83e8af9a102801012e4314adad7b145e7760bd1e9054b4} verhindern.
Er kann jedoch die Voraussetzungen dafür schaffen, dass unser Körper seine natürlichen Schutz- und Reparaturmechanismen bestmöglich nutzen kann.
Genau darin liegt der Gedanke moderner Präventionsmedizin: Gesundheit aktiv zu fördern, statt erst zu handeln, wenn Beschwerden entstehen.
Im nächsten Artikel
Die Netzhaut enthält außergewöhnlich hohe Mengen der Omega-3-Fettsäure DHA – mehr als fast jedes andere Gewebe unseres Körpers. Gemeinsam mit EPA spielt sie eine wichtige Rolle für unsere Augen, unser Gehirn, unser Herz und viele weitere Bereiche unserer Gesundheit.
Warum viele Menschen trotz vermeintlich gesunder Ernährung nicht optimal versorgt sind, weshalb der HS-Omega-3-Index® heute als einer der aussagekräftigsten Marker für die langfristige Versorgung gilt und warum hochwertiges Algenöl für viele Menschen eine interessante Alternative zu Fisch sein kann – darum geht es im nächsten Teil dieser Artikelreihe.
Für alle, die tiefer einsteigen möchten
Fachgesellschaften
- Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG): https://www.dog.org
Fachliteratur
- Gröber U. Mikronährstoffe – Metabolic Tuning – Prävention – Therapie. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft.
Wissenschaftliche Fachzeitschriften
- Progress in Retinal and Eye Research: https://www.sciencedirect.com/journal/progress-in-retinal-and-eye-research
- Investigative Ophthalmology & Visual Science (IOVS): https://iovs.arvojournals.org
- Nutrients: https://www.mdpi.com/journal/nutrients
Omega-3-Forschung
- Omegametrix – HS-Omega-3-Index® und wissenschaftliche Informationen von Dr. Clemens von Schacky: https://www.omegametrix.eu

